8. Dezember 2016
In den Niederlanden wird nicht wie bei uns in Deutschland Nikolaus gefeiert, sondern Sinterklaas. „Ist doch alles das Gleiche!“ wird der ein oder andere vielleicht denken – aber das ist nicht der Fall. Die größten Unterschiede erkläre ich euch hier.
5. Dezember vs. 6. Dezember
Wie jeder weiß, ist der Nikolaustag bei uns in Deutschland der 6. Dezember. In Holland allerdings kommt Sinterklaas schon am 5. Dezember und bringt Geschenke. Um genau zu sein, verlässt er die Niederlande am 6. Dezember und liefert vorher Süßigkeiten und Geschenke an brave Kinder ab. Sinterklaas und der Zwarte Piet, Sinterklaas‘ Gehilfe, kommen schon Anfang November, am ersten Samstag nach dem St. Martins Tag, in den Niederlanden an. Dann tourt Sinterklaas mit seinem Gefolge zu Pferd durch das Land und überprüft ob auch alle Kinder brav sind.
Die Ankunft von Sinterklaas, die Sinterklaas intocht, wird live im Fernsehen übertragen. Der Austragungsort der großen, offiziellen Ankunft wechselt jedes Jahr, aber die meisten Örtchen mit einem Hafen, veranstalten ihre eigene kleine Sinterklaas intocht. So auch Wageningen: Sinterklaas kam mit einem Boot mit einem riesigen Gefolge Zwarter Piete im etwas tristen Industriehafen von Wageningen an. Sie wurden von vielen als Zwarte Piet verkleideten Kindern, einer Zwarte Piet-Blaskapelle und Familien empfangen. Nach der Ankunft verteilt Sinterklaas und die Zwarte Piete Kruidnote (dazu im folgenden Absatz mehr) und ziehen in die Stadt, wo sie vom Bürgermeister empfangen werden. Das ganze wird von traditionellen Liedern begleitet.
Die Schuhe werden mehrmals befüllt
Anders als bei uns, können Kinder ab der Ankunft von Sinterklaas ihre Schuhe mehrmals vor den Kamin (und nicht wie bei uns vor die Haustür) stellen. Die Kinder befüllen ihre Schuhe mit Möhren und stellen neben ihre Schuhe eine Schale mit Wasser, damit die Pferde von Sinterklaas etwas zu futtern und zu trinken haben, wenn er kommt um die Geschenke zu verstecken. Das letzte Mal stellen die Kinder ihre Schuhe am Abend des 5. Dezembers raus. Sinterklaas bringt, ähnlich wie unser Nikolaus, Süßigkeiten, wie zum Beispiel, Pepernoten und Kruidnoten, Mandarinen und andere Kleinigkeiten.
Pepernoten sind etwa daumendicke, schwammige, unförmige Kekse mit Anis-Geschmack, die härter werden, wenn man sie längere Zeit an der Luft stehen lässt. Kruidnoten sehen aus wie kleine Amarettini und schmecken auch so ähnlich, mit einem Hauch von Spekulatius-Geschmack. Kruidnoten gibt es umhüllt mit allen erdenklichen Geschmacksrichtungen: Die Klassiker sind Schokolade, Trüffel und Karamell, während der neuste Schrei z. B. Limoncello ist.
Ähnlich wie der Weihnachtsmann kommt Sinterklaas mit dem Zwarte Piet durch den Schornstein in die Häuser. Deswegen ist es auch strittig, ob der Zwarte Piet dunkelhäutig ist oder ob er verrußt ist. Diese Diskussion gibt es seit einigen Jahren in den Niederlanden und die Gegner des Zwarte Piet wollen diese Figur abschaffen, da sie die Gefühle von dunkelhäutigen Mitmenschen verletzen könnten.
Bescherung am 5. Dezember
Am Abend des 5. Dezembers, dem sogenannten Pakjesavond (Päckchen-/Geschenke-Abend), findet dann eine kleine Bescherung statt. Vor allem für Kinder ist der 5. Dezember wichtiger als Heiligabend, da die niederländischen Kinder eher an Sinterklaas als an das Christkind oder den Weihnachtsmann glauben. Wenn die Kinder älter werden, verliert Sinterklaas jedoch an Bedeutung und Weihnachten wird im Rahmen der Familie gefeiert. Wahrscheinlich verliert das Sinterklaas-Fest auch an Bedeutung, da weder der 5., noch der 6. Dezember Feiertage sind.
Pakjesavond in Wageningen
Wir haben den Pakjesavond am 5. Dezember mit einer Gruppe von Freunden mit kleinen Geschenken und den typischen Sinterklaas-Süßigkeiten gefeiert. Jeder hat zwei kleine Geschenke, ein neues Geschenk und ein altes Geschenk (ähnlich wie bei uns beim „Schrott-Wichteln“) mitgebracht. Mit einem speziellen Sinterklaas-Würfel (zu sehen im Bild unten rechts), wurde dann die Reihenfolge bestimmt, wer sich wann ein Geschenk aus der Mitte nehmen durfte.
Anschließend wurden die teilweise noch eingepackten Geschenke weitergereicht oder man konnte sich die Geschenke gegenseitig „klauen“. Das hatte zur Folge, dass einige mit einer großen Anzahl an Geschenken nach Hause gegangen sind, während andere, so wie ich, mit nur einem kleinen alten Geschenk nicht so viel Glück hatten. Aber, wie das auch oft beim Schrott-Wichteln ist, was der eine nicht mehr haben will, macht dem anderen eine Freude…